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Ideation Workshop

Die Erkenntnisse aus der vorangegangenen Recherchephase machen deutlich, dass non-territoriales Arbeiten und ein flexibles Arbeitsraummodell aus der heutigen Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken sind. Gleichermaßen ist jedoch auch auffällig, dass diese Entwicklung zum einen Herausforderungen mit sich bringt, mit denen man in der Geschichte der Arbeit nicht zum ersten mal zu tun hat und zum anderen, dass einige dieser Herausforderungen heute zum Teil eine etwas anders gelagerte Relevanz haben. So wird zum Beispiel der individuellen Entfaltung und dem kreativen Potenzial des Einzelnen heute ein weitaus höherer Wert beigemessen als dies noch vor einigen Jahrzehnten der Fall war. Ähnlich verhält es sich mit dem persönlichen Wohlbefinden des Arbeitnehmers und der damit verbundenen Zufriedenheit und Unternehmenstreue.



Daher haben wir uns dazu entschlossen die Ideationphase unseres selbstinitiierten Projekts mit einem internen Workshop zu starten und haben uns zu diesem Zweck einen thematischen Rahmen abgesteckt. Einerseits wollten wir erkunden, inwiefern es möglich ist, in einem non-territorialen Arbeitsumfeld ein gewisses Maß an Individualisierung und Personalisierung des Arbeitsplatzes zu erreichen. Dabei waren die Anforderungen so formuliert, dass der Umstand, dass man sich in gewissen Abständen einen Arbeitstisch vorausbuchen muss, als gegeben angesehen werden musste. Es sollte berücksichtigt werden, dass der Arbeitsplatz jedes Mal neu gewählt werden muss und dass sich dieser in einem Open-Plan Büro befindet. Zudem war wichtig, dass man sich dem Thema Privatsphäre und erhöhter Geräuschkulisse im Großraumbüro annimt. Diese Thematik war einer der Schwerpunkte auf der Orgatec und wurde zumeist so behandelt, dass man separate "Telefonzellen" oder andere, meist gläserne Kabinen für Telefongespräche oder Meetings bereitstellte. Das Thema Sichtschutz und visuelle Privatsphäre spielte auf der Messe zwar auch eine Rolle, jedoch wollten wir versuchen diese Aspekte mit einem gewissen Maß an Personalisierung und Individualisierung zu kombinieren.



In unserem Workshop zeichneten sich schon bald zwei Richtungen ab, die von mehreren Teammitgliedern als besonders verfolgenswert ausgemacht wurden. Ein Thema, das intensiv diskutiert wurde, war das Entgegennehmen von Telefonaten am eigenen Schreibtisch ohne dabei die Konzentration der Kollegen zu stören. Dabei ging es einerseits um die entstehende Geräuschkulisse im Büro und andererseits auch um die eventuell privaten Gesprächsinhalte, die man nicht unbedingt mit allen Kollegen teilen möchte. Zum anderen wurde auch versucht, der visuellen Exponiertheit entgegenzuwirken, der man in vielen der gläsernen Zellen und Kabinen ausgesetzt ist, um einem Gefühl der ungewollten sozialen Überwachung zu entkommen. Ein weiteres Thema, das bereits im Kontext unserer Interviews als Spannungsfeld identifiziert worden war, war der Mangel an persönlichem Charakter des Arbeitsplatzes. Schon in den Gesprächen mit unseren Interviewpartnern deutete sich an, dass je nach persönlicher Vorliebe, ein individuell eingerichteter Arbeitsplatz für die persönlich empfundene Effizienz und das wohlbefinden essenziell ist. Dies war tendenziell auch in unserer Workshopgruppe die vorherrschende Einschätzung, wodurch sich viele der Ideen diesem Thema annahmen.

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