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Zusammen ist man weniger allein – Co-Working in Frankfurt - Teil 1

Im Zuge der Recherche zu unserem Projekt WORK365 konnten wir feststellen, dass Co-Working sich seit einiger Zeit immer größerer Beliebtheit erfreut. Sowohl Freiberufler und kleinere Start-ups als auch Großunternehmen, die Teile ihrer Belegschaft in Co-Working Spaces auslagern, nutzen die meist örtlich gut gelegenen Arbeitsmöglichkeiten und erfreuen sich an moderner Einrichtung, einem spannenden neuen beruflichen Netzwerk und anderen Annehmlichkeiten, die die Co-Working Anbieter in den Großstädten bieten.


Daher haben wir uns dazu entschlossen, im Rahmen unseres Projektes, mehr über das Co-Working zu erfahren und unsererseits mehrere Co-Working Spaces in der Umgebung zu besuchen. Eine sehr interessante Möglichkeit, das Co-Working kennenzulernen bietet der Anbieter BeeHive. Dort gibt es für Neuanmelder die Möglichkeit 3 Tage kostenlos im BeeHive zu arbeiten und so war dies für uns eine gute erste Gelegenheit das Co-Working zu testen. Die Anmeldung für die 3-tägige Testphase war sehr unkompliziert und ließ sich online über die Site des Anbieters buchen. BeeHive hat drei Standorte in Hamburg und einen in Frankfurt. Die Testphase ist für alle Standorte gültig, wobei wir uns auf den Frankfurter Standort beschränkt haben.


Angekommen im BeeHive in Frankfurt mussten wir uns zunächst eine Keycard im Eingangsbereich erstellen, den wir zunächst durch die Eingabe einer PIN betreten konnten. Anschließend konnten wir diese Karte rund um die Uhr nutzen, um uns Zugang zum BeeHive zu verschaffen. Die Räumlichkeiten sind modern eingerichtet und bieten verschiedene Arbeitsbereiche, die teilweise im Voraus gebucht werden müssen. Zunächst gibt es mehrere Bereiche, die die Möglichkeit bieten ein Notebook an den Strom anzuschließen, um dort sofort mit der Arbeit zu beginnen. Dabei unterscheiden sich diese Bereiche dadurch, dass es sowohl längere Tischreihen gibt, an die man sich gemeinsam mit anderen setzen kann, als auch teilweise abgeschirmte Bereiche, wie die Lounge, die man zu zweit nutzen kann, oder verschiedene „Wabenbereiche“, die man auch mit bis zu fünf Personen nutzen kann. Darüber hinaus gibt es auch private Büroräume, die man im Voraus buchen muss. Diese privaten Büroräume bieten, je nach Größe, Platz für 1-4 Personen, wobei es auch möglich wäre mit größeren Gruppen im BeeHive zu arbeiten oder dieses komplett anzumieten. Letztlich gibt es auch die Möglichkeit Meetingräume anzumieten, in denen bis zu 8 Personen Platz finden, in denen ein Fernseher oder Beamer steht und auch Flipcharts oder Whiteboards, sowie eine Klimaanlage vorhanden sind. Diese Meetingräume können für bestimmte Zeitfenster gebucht werden und werden bei nicht vorhandener Buchung auch gerne von anderen Co-Workern rege genutzt. Wie für viele Co-Working Spaces üblich gibt es auch im BeeHive eine Küche, die von allen genutzt werden kann, sowie mehrere Telefonkabinen, in denen man auch ungestört Telefonate führen kann. Für die Pausen zwischendurch findet man auch Sofas und Sessel, die auch des Öfteren für ein bequemeres Arbeiten genutzt werden. 



Am ersten Tag haben wir zu zweit im BeeHive gearbeitet und zunächst Platz in einer „Wabe“ gefunden. An einem sechseckigen Tisch mit entsprechend gestalteter Bank und einem zur einer Seite geöffneten schulterhohen Sichtschutz saßen wir vergleichsweise abgeschottet und konnten in Ruhe mit unserer Arbeit beginnen. Die Tische boten Stromanschlüsse und die Arbeitsatmosphäre kann durchaus als angenehm bezeichnet werden. Auf Grund eines Kundentermines mussten wir zeitweise das BeeHive verlassen und haben dafür unseren Platz geräumt und unsere Taschen in den im Eingangsbereich platzierten Spinden verstaut. Nach unserem Termin mussten wir feststellen, dass zum einen unsere „Wabe“ nun belegt war und zum anderen, dass andere Co-Worker gerne ihre Arbeitsutensilien auch in Abwesenheit am Platz lassen um diesen auf diese Weise zu „reservieren“. Dies mag ein regionales Phänomen sein, aber wir nahmen uns vor, dass im Laufe unserer Testtage auch so zu handhaben. Als alternativen Arbeitsbereich haben wir uns sodann in die „Lounge“ platziert. Dies ist ein Arbeitsbereich für zwei Personen mit einer Art Dach, welches zu zwei Seiten einen ausreichenden Sichtschutz bietet. Dieser Bereich befand sich im Eingangsbereich des BeeHives und war dementsprechend etwas höherer Lautstärke ausgesetzt. Auch fehlte an diesem Arbeitsplatz ein Stromanschluss. Dennoch konnte man dort gut mit dem Notebook arbeiten, da der Tisch eine ausreichende Fläche bot, so dass man auch mit der Maus genug Bewegungsfreiraum hatte.


Am zweiten Tag im BeeHive haben wir uns zu Testzwecken in ein nicht-gebuchtes Meetingzimmer gesetzt. Dieses ist durch Glaswände einsehbar und kommt dem klassischen Büroraum recht nah. Für unsere Zwecke unterschied es sich nicht so deutlich von der Wabe, in der wir tags zuvor saßen allerdings konnten wir im Nebenraum ein Meeting beobachten, das offensichtlich allein für diesen Zweck gebucht wurde. Dieser Raum war mit 6 Personen belegt und es wurden Telefonkonferenzen geführt, Bildschirmpräsentationen gehalten und angeregt Diskussionen geführt. Gerade für freiberufliche Personen scheint dies eine äußerst attraktive Möglichkeit zu sein, Kunden einzuladen, Meetings abzuhalten und Präsentationen zu geben, die in den heimischen vier Wänden wahrscheinlich nicht dieselbe Wirkung erzielt hätten. Auch am zweiten Tag hatten wir noch einen Termin außerhalb des BeeHives und so verließen wir unseren Meetingraum und nahmen erneut unsere Arbeitsutensilien mit und schlossen sie ein. Nach dem Termin war der Meetingraum belegt und wir fanden wieder Platz in einer der Waben im BeeHive. Für die Aufgaben, die wir an den Arbeitstagen im Co-Working Space verrichten wollten, bot uns das BeeHive alle Möglichkeiten und ließ kaum Wünsche offen. Allerdings mussten wir auch feststellen, dass es für intensive CAD-Arbeit oder andere rechenintensive Aufgaben einen stärkeren Rechner oder einen größeren Monitor bräuchte. Auch für papierintensive Zeichenrunden und insbesondere die daran angeschlossenen Diskussionen bräuchte man wohl einen permanenten privaten Raum. Auch diese Möglichkeiten bietet das BeeHive, wie oben erwähnt, da es bei dieser Art von Anmietung auch erlaubt ist, diesen so mit Equipment auszustatten, wie man es benötigt. Dennoch wollten wir für unseren dritten und letzten Tag im BeeHive testen, wie es ist, zumindest mit einer weiteren Person, sozusagen als Kleingruppe, im Co-Working Space zu arbeiten.


Am dritten und letzten Tag fanden wir uns somit zu dritt im Co-Working Space ein und nachdem auch der „neue“ Kollege seinen Account erstellt hatte und seine Keycard aktiviert war suchten wir uns wieder einen geeigneten Platz zum Arbeiten. Letzen Endes belegten wir erneut einen Wabenbereich und stellten fest, dass man in dieser wohl maximal mit 4 Personen angenehm und uneingeengt arbeiten kann. Auch für Telefonate testeten wir an diesem Tag den Telefonraum und konnten feststellen, dass die Akustik zwar nach außen hin gut abgeschirmt war, man dem Gespräch im benachbarten Telefonraum jedoch im Detail folgen konnte. Zudem fiel uns auf, dass zu Stoßzeiten auch die Telefonräume als gewöhnliche Einzelarbeitsplätze genutzt wurden. Darüber hinaus haben wir auch beobachten können, dass sich Co-Worker, die alleine dort gearbeitet haben, einander vorgestellt haben, Visitenkarten ausgetauscht haben und generell eine sehr aufgeschlossene Atmosphäre herrschte.

Abschließend können wir sagen, dass das Arbeiten im BeeHive eine sehr angenehme Erfahrung war. Besonders für Freelancer und kleinere Arbeitsgruppen von 2-3 Personen eignet sich unserer Meinung nach auch die Variante ohne festen Arbeitsraum sehr gut. Je nach Anforderung oder bei größeren Teams bietet sich allerdings die Anmietung eines permanenten dedizierten Raums an, da man dort auch eigenes Equipment nutzen kann. Als permanente Adresse für ein Unternehmen eignet sich dieser Co-Working Space jedoch nur bedingt.

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